Madame Bura

Aus Kroatiens Fauna und Flora
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Vir 06/2015


Beschreibung der Bura

„Stell dich in die Bura, sie bläst alle schlechten Gedanken aus deinem Kopf“ hat mir vor Jahren ein Kroate gesagt. Und irgendwie ist da etwas dran, denn wenn sie heftig bläst, dann vergisst du alles andere um dich.

Die Bura ist in Kroatien wohl der bekannteste Wind. Viele haben sie nur im Sommer kennen gelernt, wobei sie auch in der heißen Jahreszeit durchaus kräftig blasen kann. Ihre wahre Jahreszeit ist aber der Winter, wenn sich große Druck- und Temperaturunterschiede zwischen dem Meer und dem Kontinent aufbauen. Aber es sind noch weitere Faktoren nötig, damit sie so richtig in Fahrt kommen kann. Die Bura ist ein Fallwind, und so entsteht sie nur an den Flanken hoher Gebirge, die sie herunter rasen kann. Taleinschnitte in diesen Flanken können ihre Geschwindigkeit enorm verstärken, wie es z.B. im Hinterland von Senj der Fall ist. Und all diese Gegebenheiten finden wir an der kroatischen Küste entlang des Velebits aber auch an anderen Gebirgen. Deshalb ist dieser Wind an der Küste auch ablandig, fegt über das Meer und prallt dann auf die Inseln.

Die Besonderheiten dieses Windes machen ihn vor allem für alle Wassersportler ganz besonders gefährlich. Vor allem im Sommer kündigt sich die Bura nur sehr subtil an und kann urplötzlich losstürmen. Zusätzlich ist sie kein steter Wind, sondern weht in orkanartigen Böen. Zwischen den Böen kann es längere Pausen geben, die einen in Sicherheit wiegen. Auch die Dauer der Bura variiert. Von ein paar Stunden im Sommer kann sie bis zu mehreren Wochen im Winterblasen. Wobei der Wind bei so langer Dauer zwischendurch immer wieder Pausen macht.

Der Kern der Bura entsteht immer hoch oben auf den Gipfeln. Dabei gibt es zwei Arten der Bura, die sich in ihrer Ausprägung stark unterscheiden.

Die Arten der Bura

Wie es beginnt

Das Kommen einer Bura kündigen zwei Phänomene an. Zu der Zeit ist es im Allgemeinen noch sonnig und schön. Es können aber auch ein paar Tage mit Jugo und damit Regen vorangegangen sein. In beiden Fällen spürt man schon einen leichten Wind, der vom Velebit kommt. Nach und nach bilden sich in den Karen kleinere Wolkenformationen, die nach und nach größer werden. Bis sie sich schließlich zu einer langen Wolke formieren, die die Spitzen der Gipfel völlig einhüllt. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch relativ ruhig. Und die Wolkenformation hat auch noch Abstand zu den Gipfeln, hier ist ein tiefdunkles Band sichtbar.

Das Meer ist zu Beginn blau, verändert dann seine Farbe in ein metallisches Schwarz.




Ciklonalna bura

Vir 06/2015
Vir 06/2015

Sie entsteht bei einem ausgeprägtem Tiefdruckgebiet und wird begleitet von starken Regenfällen an der Küste und auf den Inseln sowie von Schneefällen im Gebirge. Beobachten konnte ich diese Form nur in den Wintermonaten, wenn es auf dem Kontinent sehr kalt ist. Bei dieser Form ist die Sicht schlecht und es kann dichter Nebel entstehen. Dadurch ist diese Form visuell nur schwer vorhersagbar. Allein die tiefdunkle, quecksilberartige Farbe des Meeres kann auf einen Ausbruch hindeuten.





Anticiklonalna bura

Vir 06/2015

Sie ist die typische Bura, wie wir sie alle kennen. Hoch auf den Gipfeln bildet sich eine dichte Wolkenkappe, die nur wenig herunter reicht. Der restliche Himmel ist tiefblau.

Ist die Wolkendecke kompakt, beginnt der Wind zu blasen und kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 240 km/h herunter fegen. Dabei ändert sich die Wolkenkappe auf den Bergen, sie wird lockerer und scheint ebenfalls die Hänge herab zu fließen.

Am Abend, wenn sich die Sonne in dieser Burawalze spiegelt, erscheint dieser Wolkenfluss kräftig rot.

Doch am schönsten ist die Bura an klaren Wintertagen. Wenn die Gipfel des Velebit mit Schnee bedeckt sind, der Himmel tiefblau ist und auch das Meer seine dunkelgrüne Farbe hat, dann entstehen Bilder voller kräftiger Farben.





Bura ist nicht gleich Bura

Wie andere Winde auch kann die Bura unterschiedlich stark wehen. Vor allem im Sommer ist sie eher sanft unterwegs, kann aber dennoch wegen ihrer Böen für Boote gefährlich werden. Diese Bura wird mala bura genannt.

Dafür verausgabt sie sich im Winterhalbjahr deutlich mehr. In diesen Monaten können ihre Böen Geschwindigkeiten von bis zu 240 km/h (gemessen in Zadar) erreichen. Diese orkanska bura fegt alles weg, was ihr in den Weg kommt. Sie peitscht das Meer auf, sodass hohe Wellen entstehen, die sich an den Küsten brechen. In Senj, wo es im Winter sehr kalt werden kann, können diese Brecher einfrieren und bilden faszinierende "Statuen" entlang der Küste.


Wellenbilder




Bilder der orkanska bura



Wenn die Böen flach auf das Meer treffen und das Wasser an der Oberfläche mitreißen, wird das Wasser in einzelne Tropfen zerstäubt. Diese sind für ein weiteres Phänomen verantwortlich, nämlich für die Salzgischt, die sie vor sich hertreibt. Diese wiederum wird dann über die vorgelagerten Inseln verteilt und lagert sich als dicke Salzkruste ab. Aus diesem Grund sind auch die Seiten der Inseln, die Richtung Küste weisen, kahl und fast ohne Bewuchs.


Bilder der Salzbura



Schäden durch die Bura

Dieser heftige Wind mit den unberechenbaren Böen kann große Schäden anrichten. Im Sommer sind Boote sowohl auf dem offenen Meer als auch falsch verankert höchst gefährdet. Es können aber auch Dächer abgedeckt werden oder aber alle Arten von Fortbewegungsmitteln umgeworfen werden. Vor allem hohe Fahrzeuge wie Busse, Camper oder Anhänger bieten dem Wind eine große Angriffsfläche.





Die Bura zieht sich wieder zurück

Vir 09/2015

Das Ende der Bura ist bei beiden Formen ähnlich. Wenn der Wind abflaut, reißt das Wolkenband über den Gipfeln in großen Streifen ab. Unter besonderen Umständen können auch linsenförmige Wolken entstehen, die langsam über den Himmel ziehen. Danach folgt immer eine Periode mit Sonne.













Geschichten von Madame Bura, Monsieur Jugo und Signore Tramontana

Die Bura ist für mich ein besonderes Wetterereignis. Die Stärke und Kraft des Windes faszinieren mich und an dem Naturspektakel kann ich mich nicht satt sehen. Erst wenn sie richtig tobt, sodass man kaum atmen kann, wenn man das Gesicht gegen die Böen hält, dann ist für mich dir richtige Madame Bura aufgewacht.

Seit 2016 schreibe ich nun meine fiktiven Geschichten über die Lady aus den Bergen und ihre Kontrahenten, den anderen Winden in Kroatien. Gepackt habe ich ihre Eskapaden in eine Art Liebesgeschichte, in denen die Akteure immer wieder neue Situationen erleben. Aber lest doch selbst:


Madame Bura im Jahr 2018 - Das ganz private Tagebuch einer stürmischen Lady


















Links und Literatur

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  • Die Richtlinien für Kroatiens Fauna und Flora: [[1]]