Helichrysum italicum (Roth) G.Don, 1830

Aus Kroatiens Fauna und Flora
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Vir 06/2012


Eine wichtige Heil- und Nutzpflanze in Kroatien ist smilje, das Currykraut. Morgens, wenn die Sonne die Pflanzen erwärmt, verströmen sie einen intensiven Duft nach Curry. Ich habe über mehrere Jahre die Bestände von Helichrysum italicum beobachtet. Das Ergebnis ist niederschmetternd: der Bestand ist mittlerweile stark gefährdet.

The curryplant is an important crop and medicinal plant. In the morning, when the first sunbeams warm the plants, they exhale their intensive scent of curry. Over a number of years I studied the populations of Helichrysum italicum. The result is devastating: in the meantime the population is critically endangered.



Systematik



Trivialnamen

  • Deutsch: Italienische Strohblume, Italienische Immortelle
  • Kroatisch: smilje, bilobrada
  • Englisch: curryplant
  • Französisch: immortelle d'Italie, éternelle jaune
  • Italienisch: perpetuini d'Italia
  • Slowenisch: laški smilj
  • Spanisch: curry, siempreviva del monte, amaranto con hoja de romero
  • Tschechisch xxx
  • Ungarisch: xxx


Wissenschaftlicher Name

Helichrysum italicum (Roth) G.Don, 1830



Namensherkunft

  • Griechisch helix = Windung
  • Griechisch crisós = Gold
  • Lateinisch italicum = aus Italien



Basionym

  • Gnaphalium italicum Roth, 1790



Synonyme

  • Gnaphalium angustifolium Lamarck, 1788
  • Gnaphalium glutinosum Tenore, 1830
  • Gnaphalium italicum Roth, 1790
  • Helichrysum angustifolium (Lamarck) DC., 1815


Schutzstatus

Helichrysum italicum (Roth) G.Don, 1830 ist in Kroatien nicht geschützt. Auf Grund des starken Rückgangs der Bestände in den letzten 8 Jahren ist diese Pflanze schützenswert – siehe auch unter dem Punkt Nutzung.


Morphologie und Größe

Habitus

Radašinovci 05/2020
  • Helichrysum ist eine niedrig wachsende Pflanze, die gut an das extreme Klima an Kroatiens Küsten angepasst ist.
  • Die einzelnen Stängel bilden dichte Büsche, denen auch starke Winde nichts anhaben können.
  • Auf Trockenwiesen sind die Tuffs meistens kleiner, sie stehen in Abständen von 30-50 cm. An Standorten, an denen nur eine Pflanze wächst, kann sie sich weiter ausbreiten.
  • Höhe: bis 20 cm










Die Blüte

Knospen

Vir 05/2012
  • Erst bei einer Nahaufnahme sieht man die irisierende Haut, die die Knospen umgibt. Sie reflektiert das gleißende Sonnenlicht sodass die Blüten nicht verbrennen können.
  • Diese Hüllblätter sind dachziegelartig angeordnet und umhüllen auch noch die Basis der offenen Blüten.










Blüten

Vir 06/2012
  • Die zahlreichen Blütenstände sitzen in einer Dolde.
  • Sie bestehen ausschließlich aus Röhrenblüten, die 3 Lappen ausgebildet haben. Jeder dieser Capitula hat einen Durchmesser von 2-3 mm.
  • Blütezeit : Juni - Juli, selten eine zweite Blütenphase Oktober - November
  • Blütenfarbe: Pflanzen mit gelben Blüten|gelb]]










Die Frucht

Vir 08/2012
  • Die Frucht ist eine typische Achäne mit einem weißen, einfachen Pappus.
  • Reifezeit: Juni - August











Das Blatt

Blatt, Vir 04/2011


  • Die Stängel sind kräftig und an der Basis verholzend. Das erklärt die große Widerstandskraft der Pflanze gegen Stürme.
  • Die weichen Teile der Stängel sowie die Blätter sind dicht mit weißen Haaren besetzt. Dies ist ein perfekter Schutz gegen die Sonneneinstrahlung.












Ökologie

  • Sie wird gerne von Orobanche minor Sutton, 1798, der kleinen Sommerwurz, parasitiert.
  • Helichrysum italicum (Roth) G.Don, 1830 ist Futterpflanze für die Larven des Geistchens Gypsochares baptodactylus Zeller, 1850.
Satyrium ilicis Esper, 1779 - Brauner Eichen-Zipfelfalter, medunčev repić


Lebensraum

Trockenrasen, Helichrysum ist extrem thermophil.



Geografische Verbreitung

  • Herkunft: Italien, Spanien, Kroatien
  • Vorkommen: Italien, Spanien, Kroatien
  • Fundort: Kroatien – Vir, Prizna



Nutzung

Nutzung und der daraus resultierende Schaden


Die getrockneten Blütensträuße wurden früher als Schutz vor Stechmücken verbrannt. Trotzdem waren bis vor wenigen Jahren die Küstenregionen und auch viele Inseln im Juni ein gelbes, nach Curry duftendes Blütenmeer. Das hat sich aus zwei Gründen extrem geändert und heute findet man z.B. auf der Insel Vir nur noch vereinzelt Pflanzen, die auch noch durch Sammler, die auch im Juni 2015 wieder mir ihren LKW's auf Vir unterwegs waren, ausgerissen werden.

Aus der Pflanze wird das kostbare Öl Mittels einer Kaltextraktion gewonnen - so durfte ich das bei einem Hersteller in Dugopolje beobachten. Proben dieses Öls werden dann an ein Institut geschickt, und die Inhaltsstoffe sowie deren Konzentration genau gelistet. So hat der Kunde, meistens ein Kosmetikhersteller, immer die Sicherheit, dass die Qualität des Öls den Ansprüchen seines Produkts entspricht. Schon früher wurde dieses Öl bei stumpfen Verletzungen wie Hämatomen aufgetragen und unterstützte die Heilung. Heute wird es als Antiaging-Mittel eingesetzt, soll die gereizte Haut beruhigen und die Talgproduktion vermindern.

Flavonoide wirken antioxidativ und entzündungshemmend und machen die Haut weich
Tannine straffen die Haut und wirken als Antioxidans
Zucker befeuchten die Haut und machen sie weich


Seitdem die Kosmetikindustrie auf die positive Wirkung der Inhaltsstoffe aufmerksam geworden ist, ist der Bedarf an dem Öl extrem gestiegen. Und da bis 2015 ausschließlich Wildpflanzen gesammelt werden, kann dies für diese wunderbare Pflanze das Ende bedeuten. Hier muss eindeutig die Sammelmenge und die Sammelart reglementiert und kontrolliert werden. Seit 2015 wird die Pflanze vermehrt angebaut, so findet man sie heute dicht gepflanzt unter Olivenbäumen. Hier könnte die insektizide Wirkung ein weiterer positiver Effekt sein, der den Olivenbäumen zu Gute kommt. Und der natürliche Bestand kann sich hoffentlich wieder erholen. Denn auch heute gibt es immer noch Wildsammlungen.


Feinde der Pflanzen


Helychrysum hat 2 Feinde: Orobanche minor Sutton, 1798, eine parasitische Pflanze, und den Menschen.



2009 war hier auf Vir im Juli alles gelb - es hat geduftet, dass ich mich oft einfach nur hingestellt und tief eingeatmet habe. Dann kam die Kosmetikindustrie auf die positiven Effekte Öls von Helichrysum, und seitdem werden die Bestände wild geplündert. Die ersten Jahre wurden sie einfach ausgerissen, mittlerweile verwendet man wenigstens Scheren


2012 und 2013 waren für Helichrysum gefährliche Jahre. Durch einen massenhaften Befall mit Orobanche wurden 85% der Pflanzen an den Rand des Absterbens gebracht. Allein auf diesem Bild zähle ich 5 Orobanchen an einer Pflanze. Resultat war ein teilweises Absterben der Pflanzen und ein verkrüppelter Wuchs mit wenigen Blüten. Die befallenen Pflanzen haben kaum Blüten getrieben, trotzdem wurde wieder gesammelt.


Dazu kam im Winter eine weitere Sammelaktion, in der die Triebe gepflückt wurden. Die Anzahl an Helichrysumpflanzen hat sich nochmals drastisch reduziert.


2014 waren die Orobanchen wieder aktiv. Die Sammler leider auch, sodass ich wirklich Angst um den Weiterbestand hatte. Einige wenige Pflanzen haben sich erholt aber die Anzahl blühender Pflanzen ist weiter gesunken.


2015 waren im Mai vereinzelt Orobanchen zu sehen, die aber gar nicht zur Blüte kamen sondern direkt verwelkten und braun wurden. Sie waren auch deutlich kleiner als in den Jahren zuvor. Interessant wäre es herauszufinden, ob Helichrysum eine Abwehrwaffe gegen ihren Parasiten hat.


Usage and consequences for Helichrysum italicum


Since many years the dried blossoms have been used as protection against mosquitos. Although people collected parts of the plants in June the coastal regions and many islands have been a yellow, curry-scenting sea of blossoms. This wonderful time is over, and because of two reasons you will find Helichrysum just in patches – even on the isle of Vir Helychrysum has two enemies: Orobanche minor Sutton, 1798, a parasitic plant and humans. And the combination is disastrous.


2009 the whole isle of Vir was yellow – there was a special intensive scent in the air and I just stood and inhalated. Then the cosmetics industry got to know the positive effects of the oil from Helychrysum and since then the wild populations have been teared out, later the collectors used scissors. . So, the urgent demand must be launched which regulates the collection and the kind of collection.


And even plants with less flowers have been collected in 2013.


Additionally in winter there was another collection – this time the leaves and stem. As the people did not use scissors, whole plants have been rooted out. Again there was an further reduction of plants.


2013 a natural disaster arised. The parasitic plant Orobanche minor infested about 85% of all plants on Vir. The helichrysum plants have been weekend, many died partley some total. But the collecting still goes on – even new laws could not stop it. The collecting starts in June and ends in August. So, the plants cannot seed because they have been cut before. It is an ecological disaster. 2014 Orobanche was still active, the collectors too. In the meantime I really was scared about the continued existence of Helichrysum. Some plants could recover, but the number of flowering plants has decreased.


In May, 2015 I have seen single Orobanche parasitizing Helichrysum and other Asteraceae as Heracium. Their growth was shrimpy and the blossom did not open. The whole plant withered in an early stage and became brown. It would be interesting to know if Helichrysum has found a way to avoid an attack of the parasite.


The surviving plants have recovered a little bit untio May and sprouted blossoms – it seams that better times will come. But then again people with trucks came and collected all blossoms. So, 2015 again the sexual reproduction is impossible.




Links und Quellen

© Kroatiens Fauna und Flora, fauna i flora u Hrvatskoj





  • Wirkungsnachweis: Crodarome, Factsheet Immortelle Extract NP
  • Josip Mastelić, Olivera Politeo, Igor Jerković: Contribution to the Analysis of the Essential Oil of Helichrysum italicum (Roth) G. Don. – Determination of Ester Bonded Acids
and Phenols. Molecules 2008, 13, 795-803.